Drehstube Zahlreiche Traditionen prägen das Leben im Sauerland, einfach und bodenständig, wie die Menschen, die hier leben. Sie gehören dazu wie das Salz in der Suppe, werden liebevoll gepflegt und sind einfach nicht wegzudenken. Wer Land und Leute kennenlernen möchte, muss sie unbedingt mal mitgemacht haben.
Schützenfeste
Das Schützenfest ist die beliebteste Tradition der Sauerländer. Von Mai bis Oktober dauert die Schützenfestsaison und während dieser Zeit gibt es kein Wochenende, an dem sich nicht in irgendeinem Ort die Sauerländer versammeln, um ihren neuen Schützenkönig zu ermitteln. Meist drei Tage dauert das Fest. Höhepunkt ist das Vogelschießen. Wer den hölzernen Vogel von seiner Stange holt, repräsentiert ein Jahr lang den Schützenverein seines Ortes. König zu sein ist eine Ehre, und das muss natürlich gebührend gefeiert werden. Am besten mit einer Menge gutem sauerländer Bier. Die Stimmung steigt und am Ende werden schon wieder die Tage gezählt bis zum Schützenfest im nächsten Jahr.
Von Königsproklamation über Schützenzug in historischen Uniformen und mit zünftiger Marschmusik bis zum abendlichen Zapfenstreich folgt das Schützenfest ganz bestimmten Regularien. Überhaupt spielt die Tradition eine große Rolle bei den sauerländer Schützen. Sie haben es sich zur Aufgabe gemacht, das Brauchtum zu pflegen. Das bekommt schon der Nachwuchs mit in die Wiege gelegt. Vielerorts haben die Kinder ihr eigenes Schützenfest.
Schnadegang
Der Schnadegang oder Schnadezug ist ein Brauch, der sich teilweise bis ins 14. Jahrhundert zurückverfolgen lässt. „Schnade“ bedeutet Grenze. Die Teilnehmer wandern die Stadt- oder Gemeindegrenzen entlang. Was vor Jahrhunderten dazu diente, die Korrektheit der Grenzmarkierungen zu prüfen, ist heute zu einem Volksfest geworden. Meist alle zwei Jahre durchgeführt, begeistert der Schnadegang nicht nur Einheimische. Gäste sind herzlich willkommen. Der älteste Schnadezug des Sauerlands findet in Brilon statt. Frühmorgens wandern die Männer los, Frauen dürfen erst am anschließenden Waldfest teilnehmen.
Kartoffelbraten
Gleich nach dem Schützenfest gehört das Kartoffelbraten zu den beliebtesten Traditionen im Sauerland. Meist im Herbst zieht aromatischer Buchenrauch durch die Luft. Familien, Vereine, Freunde treffen sich um die ersten frischen Kartoffeln im offenen Feuer zu backen. Frisch geschlagenes Buchenholz gibt die richtige Glut. Die fertigen Kartoffeln werden inklusive Schale mit Zwiebeln und Butter gegessen.
Der Brauch geht zurück auf die Kartoffelernte früherer Jahre. In mühevoller Handarbeit wurden die Knollen aus dem Boden geholt. Das Kartoffelkraut wurde danach verbrannt. In diesem Feuer garten die Erntehelfer nach getaner Arbeit die ersten frischen Kartoffeln.
Osterfeuer
Große Holzstapel werden in der Osterzeit in so gut wie jedem Dorf im Bergwanderpark Sauerland aufgebaut. Am Abend des Ostersonntags versammeln sich die Mitglieder der Kirchengemeinden, um gemeinsam die Feuer anzuzünden und der Auferstehung Christi zu gedenken. In der aufziehenden Dunkelheit sind die leuchtenden Feuer auf den vielen Bergen von weit her zu sehen. Ein weiterer verbreiteter Osterbrauch ist das „Kleppern“ oder „Klespern“. Weil die Glocken der Kirchen von Gründonnerstag bis Samstag Abend nicht läuten, ziehen Kinder mit Holzrasseln oder Klappern durch die Orte, um auf den Beginn der Messe aufmerksam zu machen.